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Back to the future!

August 21, 2009

Ewigkeiten ist es her, ich getraue mich gar nicht, das Datum des letzten Eintrags anzuschauen. Nun habe ich meinem zweijährigen Traum todesmutig den Rücken gekehrt und trete ins Inferno: 34 Grad, Kaiseraugst/Aargau.

portugal

Ich muss zugeben, ich bin irritiert von dem vielen Grün, der flirrenden, windstillen Hitze. Mein Bruder singt wie eine Opernmaus, die Bäume sind gewachsen, die Tennishalle neben dem Haus ist Geschichte – es ist nicht nur abstrakte Zeit vergangen!

Langsam versuche ich ein Fazit zu bilden und bin ein wenig ratlos beim Schreiben des ERASMUS Berichts über diese 12 Monate. Zuviel und zuwenig, was interessiert wohl jemanden zu lesen, der sich überlegt, nach Portugal oder sonstwo an den Rand des Tellers zu fahren? Ich will ja auch nichts verraten. Oder doch? Seltsamerweise kommen einem viele Macken und Ticks des Landes in den Sinn – noch vor den Qualitäten. Doch es sind genau diese Ecken und Kanten, die einen so langen Austausch schlussendlich auch so reich und interessant machen.

Die letzten Wochen waren geprägt von Abgabenstress (dem einzigen während einem ganzen Jahr, aber der schlimmste meines Lebens da Uniabgabe, abgelaufene Vektorworkslizenz und EUROPAN gleichzeitig), dem Stierkampf am Nationalfeiertag (unglaublich, ein Spektakel..), einem 2-Tages-Trip an die Algarve, schönen Sonnen&Wind-Tagen am Porto-Stadt-Strand, Fischessen, Fischessen, Fischessen, Chinesischessen, Indischessen (ich werde die nächsten 12 Monate auf Diät sein) und der manchmal auftauchenden Zweifel ob die neu gewonnene Heimat NUN WIRKLICH verlassen werden sollte. Jetzt habe ich ein gespaltenes Herz – wohl für immer! Was für ein Gefühl, diese neue Kultur und Sprache plötzlich ein Teil von sich zu nennen! Ich glaube, diesen Teil streiche ich aus dem Bericht, wir wollen ja nicht sentimental sein – vor allem nicht vor dem Drachen im International Office. Ein guter Tipp für zukünftige Erasmüsler: Bei Spezialwünschen à la „ich will unbedingt nach Porto, bitte sagen Sie mir wie ich das anstelle?!“ bitte Vorsicht mit ebengenannter Bürostute.

Wer sich also für weitere Details meines Privat- und Öffentlichkeitslebens interessiert, fühle sich hiermit frei mich ab dieser Tage wieder in helvetischen Ländereien aufzusuchen. Ich werde mich vermutlich noch ein wenig frustriert und geniert vergraben und überfahren fühlen von der Schweizer Präzision (ein Jahr beispielhafte Unpünktlichkeit geht schlussendlich auch an meiner Wenigkeit nicht spurlos vorbei) aber für Friedensangebote oder Bluttauschen bin ich jederzeit zu haben.

Insofern Até logo, es hat mich gefreut, ich hoffe man hat sich unterhalten, jetzt gilts ernst: ab in die letzte Runde in Zürich!!

–> auf Facebook findet sich ausserdem ab Bald ein visuelles Update der Ereignisse

:)

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João Moura na Tourada Junho 10, Santarém Portugal


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PuxaPuxa Vol.II the HAPPENING

Mai 29, 2009

16.25abril

http://pechakuchaporto.blogspot.com/

PuxaPuxa Vol. II startete bei 25 Grad im Schatten des Largo da Maternidade, ein Weisswein auf das Geburtsspital. In Andrés Wohnung liegt alles durcheinander. Es macht den Eindruck als habe er seine Inspiration spontanerweise aus seinen CD- und Bücherhäufen gesogen.

Meine schlechte Laune versucht er mit Basler Läckerli zu besänftigen – ich glaube ich bin seine einzige Besucherin der man sowas zumuten kann… Beim Entdeckungszug stosse ich auf eine Schweizer Musikdose und verliebe mich spontan in ihr Plingbling.

22:00 Largo da Bouça. Mit nur einer Stunde Verspätung eröffnet Nuno Grande das Spektakel. In der Sizasackgasse drängen sich einige hundert Leute, alles geschniegelt in weiten fliegenden Sommerkleidern, Caipirinhas, Cigarillos – die Nachbarn lassen die Storen runter und setzen sich auf ihre Balkons um den Ergüssen der verschiedenen Referenten beizuwohnen… Nuno macht mit unserer Präsentation den Anfang. Vor Nervosität und Alkohol mutig wird die Präsentation zum ersten Lacher des Abends! Juhu! Wir trinken einen oder zwei und dann wirds in der Erinnerung etwas dunkel. Die aktiven Zellen reichen grade noch für André als Schlusslicht:

Unsere Weissweineinlage hatte anscheinend Wirkung gezeigt. Sein Hinweis dass es sich also um die Präsentation einer Doktorarbeit handle, tönt in Anbetracht der darauffolgenden 6:40 Minuten fast ein bisschen nach einer Entschuldigung für das leidenschaftliche Outing eines charmanten total betrunkenen Corbusier:

(Musikdosenintro)

Betão-betão-betão-betãoooooooooooooooooooooooooooo

BETÃO ARMADO!!!

BETÃO ARMADO!!!

BETÃO ARMADO!!!

BETÃO ARMADO!!!

O ARMADO!!BETÃO ARMADO!!! BETÃO ARMADO!!BETÃO ARMADO!!! BETÃO ARMADO!!BETÃO ARMADO!!! BETÃO ARMADO!!BETA

„Und hier sehen wir die fleissigen Arbeiterinnen“——
—– „Beton können sogar DIE machen, da brauchen wir nichtmal richtige Handwerker!!!!!“
…..ein Hoch auf das Patriarchat….

Betão-betão-betão-betãoooooooooooooooooooo

VIVA o 25 DE ABRIL!!!!!!!!!!!!!!!

wir lieben Beton…. wir lieben Beton….wir lieben Beton….wir lieben Beton….wir lieben Beton….

….

nur leider machen ihn die Schweizer besser.

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PuxaPuxa!!* Vol. II

Mai 28, 2009

*puxa=shiiiiit! sprich: Puschapuscha!!

Nach einer tollen und verrückten Woche in bewährter Schweizer Begleitung gehts gleich weiter mit der Ägtschen. Heute Abend findet die zweite Ausgabe der Pecha-Kucha-Night Porto statt. Die erste im verregneten November hatte ich noch kein-Wort-verstehend aus dem Publikum mitverfolgt.
Aber heute wird eine laue Nacht prophezeit – und das Wichtigste: meine Slides werden runterrollen!! Mein Arbeitskollege wird referieren, ich dahinter zittern…. Daumen gedrückt?? ;)

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Bald folgt der Bericht. Bis dahin — beijinhos do Porto!!

eure Flavia

http://pechakuchaporto.blogspot.com/

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FC BOAVISTA FOREVER oder so.

Mai 3, 2009

Aller Fussballastigkeit meines Schreibens zum Trotz darf ich allen Lesern zur Beruhigung bestätigen – ich bin noch immer auf der richtigen Seite. Bzw. auf DER Seite. Oder – um es vollständig politisch korrekt auszudrücken

– YES WE CAN (live without fuessball)

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Die Meisterschaftssaison der portugiesischen Liga neigt sich langsam dem Ende zu und hartgesottene Fussballfans müssen sich ihrem schlechten Gewissen stellen, den ganzen Winter durch ihren geliebten Club ausschliesslich gedanklich bzw. in der Zusammenfassung der Abendnews unterstützt zu haben. Opfer (oder Profiteuse?) eines solchen Falles wurde ich heute, Sonntag 3. Mai, 25 Grad, Sonnenbrand.

Der FC Boavista ist einer dieser portoenser Stadtvereine – etwas hinter dem drachenköpfigen FC Porto unglücklicherweise in die zweite Liga abgestiegen und seither stetig knapp mit dem Strohhalm an der Luft. Um die Wurst gings heute in Gondomar, ein ebenfalls an der Linie hängenderVorortskickerverband mit dieser scheinbar tödlichen Mischung aus nichtexistenter Verteidigung, eingekaufter Vorhut in schwarz und einem krummbeinigen giftspuckenden und bösguckenden aber grösstenteils harmlosen Mittelfeld.

Mit dem Roller und dem Boavistaschal im Gepäck wurde also in den aus Horrorgeschichten bekannten Vor- bzw. Hinterort Portos gebraust. Schlafdorf. Den einzigen Lärm (beträchtlichen, muss ich zugeben) verursachen die Autoschlangen die aus Porto zum Auswärtsspiel wogen… Nuno schwitzt offensichtlich Blut und Wasser: Wieso musstest du ausgerechnet heute im Minirock auftauchen?? Die Meute wird dich auffressen!! Halb so schlimm. Keine Ahnung von der Superflavia. Keine Spur, die Fans sind beim Eintreten ins Stadion etwa gleich besoffen wie nachher, in ihren Gesängen wird mir klar, dass das Klagelied sich wohl ausschliesslich in den Vokabeln von der Siegeshymne unterscheidet und – wenn man grölen kann, wer will denn singen??

Daraufhin beginnt das Specktakel. Das Publikum drängt sich eng zueinander in den Schatten der munzigen Haupttribüne und die eingefleischten 100 Boavistafans laufen zur Höchstform auf. Penaltyyyyy!!!!!!!!!!!! Nach 3 Minuten!!!!!!!!!!!!!!!! Schon im ersten Angriff liegt einer der Spieler mit schmerz-ver-zerrtem Blick schreiend am Boden, wälzt sich nach links und nach rechts, windet sich wie ein nasser Fisch auf dem heissen Stein, der Schiri wird gehäufelt, die Fans speien Flammen — und GOOOOLLLOOOOO!!!!! Gondomar, Gondomar, Gondomaaar…. lalalallallala der Speaker gibt mit überschlagender Stimme alles während der Boavistafanblock nicht mehr aufhören will mit Tiraden — und weiter gehts.

Penaltyyyyyyyyyyy!!!!!!!!!!!!!!!!

Nach 10 Minuten liegt Boavistas Sturmdiamant am Boden, krümmt sich orgastisch mit dem einen Auge zum Ref schielend, schreit nochmal theatralisch um dann flugs zum Penaltystoss weiterzugehen und den souverän zu versenken. Sturm. Tosen, Schreien, Umarmen, Gesang, Prost! Seefahrer unserer Zeit! Alkoholfreies Bier ist für die andere Seite, hier gibts richtigen Stoff. Und weiter gehts. Nuno an meiner Seite gehts auch zusehends besser und kommentiert wie ein geübter Fernsehkommentator sämtliche Aktionen „Seines“ Clubs. Wie ich schon früher unterrichtet wurde ist das eben so eine Sache mit „Meinem Club“ in Portugal. Jeder (normalerweise) Mann erbt seinen Club von seinem Vater wie den Namen. Aber im Gegensatz zum Namen – oder zur Freundin – ist ein Club UN-AUS-TAUSCH-BAR. Das verstehst du nicht Flavia. Vergiss es, du musst es auch gar nicht versuchen.  Vergiss es.  Also vergess` ich es eben und brülle mit bis es mir schwindlig wird. Und niemand sonst hat den Minirock bemerkt und auch nicht, dass ich mitten in meiner Diät zwei grauenhafte papierige Schnitzelsandwichhälften gegessen habe. Fussballfanverpflegung eben… Das Resultat dieser Nahrung drängt sich vor mir an die Brüstung, Obenohne, partiell tätowiert, schwitzend mit fehlenden Zähnen, aber offensichtlich glücklich und genau an dem Ort, an dem „es“ an DEM Tag, zu DIESER Zeit sein will. Im Fussballstadion. Hier. Jetzt. Mittendrin. Prost – ich schleich mich davon. Hat Spass gemacht, bis zum nächsten Mal im Dragão!!!! ooooolleeeee ooolleeee BOAVISTTAAAA BOAVISTAAAAA FILHOS DA PUTAAAAAAAA………….

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PORTO-PORTO-PORTO-PORTO-POOOOOOORTO!*

März 25, 2009

*oder „o mundo imperfeito“ anedotas de um velho veleiro
oder auch einfach mal Porto, wie immer schrecklich politisch (und) inkorrekt.

Hino oficial do FC Porto
„Oh campeão, o teu passado
É um livro de honra de vitórias sem igual
O teu brasão abençoado
Tem no teu Porto mais um arco triunfal
Porto, Porto, Porto, Porto
Porto, Porto, Porto, Porto
Porto, Porto!!“

Hat mich damals jemand gefragt, warum ich nach Portugal reisen will wusste ich keine Antwort. Fragt mich heute jemand dieselbe Frage, weiss ich es immer noch nicht, und die Anwort lautet vielmehr: um es herauszufinden!
Am Montag habe ich eine unglaubliche Bekanntschaft gemacht. Eine portugiesische Prominenz – wenn ich sage portugiesisch, natürlich nord-portugiesisch. Ein alter Segler – velho veleiro. Per Zufall Fotograf geworden. Per Zufall berühmt geworden. Aber wenn ich es nicht gewusst hätte, ich hätte es nie erraten.
Ich möchte gar nicht versuchen, ein Gespräch über Sextanten, Dreieckssegel, Meermonster und schöne Frauen zu transkribieren  – aber vielleicht mag man sich über ein paar Auszüge amüsieren. Statements wie sie nur möglich sind hier am Rande von Europa, vom Land, das eigentlich schon am Boden liegt und sich deshalb ab und zu auchmal leisten kann, dahin zurückgeworfen zu werden….

brasao_porto…Antiga, mui nobre, sempre leal e invicta cidade do Porto…
(alte, so edle, immer gerechte und unbesiegte Stadt Porto)

„Ich bin mir völlig sicher, dass, man unmöglich mehr als 14 Jahre mit der gleichen Frau glücklich zusammen sein kann. Heute bin ich 73 und zum dritten Mal verheiratet. Als 17jähriger war ich in Belgien zum Austausch. Ich verbrachte dort ein Jahr und hatte das schönste Mädchen der Stadt. Marie-Julie war 15. Ich wohnte im Haus einer mittelalterlichen Witwe, liebenswürdig, fürsorglich, der beste Ort um von da aus Belgiens Herzen zu erobern. Als ich nach einem Jahr zum Abschied meiner Lady die Hand reichte, versicherte sie mir, dass ich jederzeit zu ihr eine offene Tür und ein freies Bett haben würde. Das einzige, was ich mir nie und nimmer (mehr) erlauben dürfe, sei Mädchenbesuch. Mit 22 war ich Vater von 4 Kindern. Die Familie ist das grösste portugiesische Kapital.“

„-Sie haben ein Boot?

-Ja.

-Eins mit Segel?

-Ja natürlich, ein Boot hat immer ein Segel!!“

„Ich bin durch und durch Demokrat. Die einzigen Ausnahmen mache ich erstens: bei der Jagd, die sollte verboten werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind natürlich meine Freunde und ich. und zweitens, bei Fussball. Selbst wenn Benfica gegen Afghanistan antreten würde: ich würde Afghanistan unterstützen!“

„…das Schönste an Portugal sind die Azoren.“
[Anmerkung der Redaktion: LAUT HUST! >> http://maps.google.ch/maps?hl=de&tab=wl]

„Jeder Leuchtturm hat einen anderen Leuchtcode. 3mal in 15 Sekunden, das ist Boanova.“

„Als Afonso Dom Henriques mit seiner Flotte nach Portugal zurückkehrt, trifft er zuerst auf Lissabon. Oupa! In welcher Stadt sind wir denn hier?! In Lissabon, Mann. A-haaa. Als nächstes erreichen die Schiffe die Kais von Coimbra. Oupa! Und heute, wo sind wir heute gelandet?? In Coimbra, Mann. Ach soooo… Die Flotte segelt nun weiter und kaum nehmen diese Hügelzüge, diese Felsen und schwarzen Häuser Form an ruft Afonso Henriques voller Entzücken und mit einem zärtlichen Lachen des Wiedererkennens …OOOOOlha OOOPPPOOOOOORTOOO!!!“

„Bis auf die 30 Jahre Herrschaft von Dom Manuel im 16. Jahrhundert hatte Portugal durchgehend Krise. Nur weils in den letzten 10, 15 Jahren ein bisschen bergauf ging, haben wir uns noch nicht an die Federbetten gewöhnt…. Betrachtet man also die Mehrzeit als Referenz, kennt Portugal (auch heute) gar keine Krise.“

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Street Art? oder hatte da einfach jemand die Krise…*
(dokumentiert im März 2009, Rua Nossa Senhora de Fatima, Oporto)

*weder noch. Neben dran wird gerade ein Haus renoviert und die Lavabos dienen dazu, die kampfparkierenden portugiesischen Autofahrer fernzuhalten :)


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Sand in den Schuhen

März 17, 2009

Glyzinienduft in der Luft, Sonnenbrille auf, Zeichenmappe in der Hand, 20 Grad um 9 Uhr morgens. Ich bin leicht zu spät, aber macht nichts.

Schulweg

Schulweg

In Porto ist der Frühling eingekehrt. Das Meer schlägt seine Wellen friedlich vor sich hin. Mit dem Mofa brause ich der Küste entlang (in Porto fährt man auch ohne Führerschein mehr oder weniger selbstverständlich), das Haar im Meerwind – „Marina“ – Meerduft… während die Stadt sich streckt und reckt, die Flügel ausbreitet zum Trocknen wird mir leicht und schwer ums Herz. Schon 7 Monate vorbei?? Wo ist nur all die Zeit geblieben?? Wohl kaum auf dem Stepper im Fitnessstudio… aber es ist wie mit der Liebe – der Blick hinaus zum Horizont und weiter ist noch derselbe und die Neugier für das Dahintere — so müssen sich die mutigen Seefahrer gefühlt haben!!! Keine Ahnung von Seefahrt? Endlich verstehe ich die Vorlesungen in der Uni! Endlich bin ich fähig das Gemurmel der Alten im Bus zu entschlüsseln……..

was man in Portugal lernt, ist mit dem Sinn des Lebens, den Idealen und den Sorgen um unsere Daseinsberechtigung einmal eine Finte zu legen. Es gibt nämlich noch andere Prioritäten neben toller  (wennauch todstressiger…)  Arbeit und Wohnung am Bellevue oder in der Bäckeranlage. Ungezählt bleiben die Aussteiger denen ich hier (vornehmlich verkatert um 11 Uhr morgens) über den Weg laufe. Italiener, Deutsche, sogar einen professionellen Schweizer Modellbauer.
Die Frage stellt sich, ob das „Aussteigen“ als Flucht oder als gleichberechtigte Uminterpretation eines Lebensmodells gesehen werden kann. Ich weiss, ich mach mich bei gewissen idealistischen Arbeitstieren unbeliebt, aber ich glaube mittlerweile, dass dieser verkaterten Gestalten mit 60 gutmöglich glücklicher sind als wir abgeschufteten Schwerarbeiter! Und doch gibt es soviel, das ich an der Schweiz vermisse. Die tollen Wälder, der kalte, trockene Winter. Die Mützen, die Einfamilienhäuser, Grüezi. Die Migros. Pünktlichkeit…..

bleibt die Frage bestehen, was das grössere Übel sei: Ferien mit Asphalt oder Arbeit im Grün. Prinzip Vögelchen im goldenen Käfig fällt mir zu Letzterem ein.

Fragen wir den Piepmatz……………………..

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…No I Viajar na maionese!

März 2, 2009

She r vreerhtes Puhblikum hrinvrebarnter SUTTKRBLOTEeR!*

die ersten architektonischen Aphorismen
von Flavia Sutter.

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ich spinne.

ich lebe, ich ferie.

ich feiere.

ich friere.

guten Appetit…*

!

**Semesterprojekt „Encyclopedia“ (einäugige Blibliothek) unter Prof. Nuno Brandao Costa, Preisträger Sécil Fev 2009

* Massnahmen gegen Schreibblockaden.

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Folterkammer – exklusiv für Frauen!

Januar 15, 2009

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Tragischer Fakt ist, dass Weihnachten auch keine Besserung auf der Anzeige meiner Waage gebracht hat. Obwohl ich mir prinzipiell keine guten Vorsätze mache im neuen Jahr hab ich mich jetzt schweren Herzens durchgerungen das Jahr 2009 zum Jahr der ästhetisch-anatomischen Schadensbegrenzung zu erklären. Da das Wetter mit Regen und Atlantikwinden nicht grade zum Joggen animiert (ich musste heute meine Socken vor dem Hauseingang zusammenlesen gehen weil sie der Wind vom Wäschetrockner auf meinem Balkon im neunten Stock runtergewindet hatte…), richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die Indoormöglichkeiten in meiner Nähe. Das Rennen machte dabei das wörtlich zu nehmende „Fitfor – exclusivamente para Mulheres“, ein Fitnessklub exklusiv für Frauen! Vom eindeutig feministisch angehauchten Titel angemacht bewegte ich mich gestern abend also – noch topmotiviert von der versifften Geschichtsprüfung am Nachmittag – in Begleitung meiner gleich gesinnten Mitbewohnerin in den genannten Fitnessklub. Wie das so gang und gäbe ist in Portugal vesuchte man uns dann auch gleich schon am Empfang alle möglichen seltsamen Produkte aufzuschwatzen. Bald darauf standen wir in der improvisierten Garderobe deren Wände vor Feuchtigkeit troffen und wickelten unter abwechselnd hysterischen Lachsalven und entsetzten Grimassen ob unseren cellulitösen Gliedmassen fette Cremen und Frischhaltefolien um den Körper. Garantierte Wirkung bei 3maliger Anwendung pro Woche hatte man uns versprochen. Das Lachen sollte uns dann aber bald vergehen, als Vania – unsere persönliche Assistentin – uns mit je 2 kg an den Füssen durch Springseile und den Gewichtscircuit jagte. Gewichte und Maschinen beeinflussten meinen Puls etwa gleich nach oben wie die inspirierende Latinomusik in Clublautstärke und der Anblick der anderen anwesenden Portugiesin in ihrem silbernen Ganzkörperjanefondacatsuit.

Total ausgepumpt und mit einem Kopf wie einer überreifen Wassermelone wurden wir nach einer Stunde aus der Traktierung entlassen und zur Belohnung in den hinteren Bereich des Klubs geschoben. Flüsternd und mit hastigen Bewegungen wurde in einem dieser abgedunkelten Abteile (in den anderen hatte ich einen Haufen seltsame Apparate und Installationen gesichtet) auf einem Bett und einer seltsamen kistenartigen Maschine hygienische Tücher ausgebreitet. Hinlegen! Deita! zu Befehl. Unter biepen und seltsamen Geräuschen setzte sich das Ding unter meinem Körper in Bewegung. Es fühlte sich an wie einer dieser hölzernen Zählrahmen mit denen man schon die Kleinsten zum Rechnen zu vergewaltigten versucht – diese Kugeln bewegten sich erbarmungslos an ihren Stäbchen hoch und runter und zogen mir die Halswirbel auseinander als gings darum, der UBS damit vorzurechnen, dass sie nicht mehr lang zu leben habe… Dies mochte aber in keiner Weise das Spektakel nebendran zu übertreffen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Laura halber geschockt, halber ungläubig runter auf ihre Füsse, die wie im riesigen Kaumechanismus einer Schweizer Kuh rythmisch zermahlen wurden… Die Situation in unserer kleinen Folterkammer war derart komisch, dass wir uns nichtmal zu Lachen getrauten. Was, wenn die Maschinen plötzlich überhand nähmen? Der Kontrollblick zum Abschaltknopf war längst getan und als unter lautem Biepen und Rattern das entspannende Erlebnis zu Ende ging mochten wir uns nur noch vielsagend anblicken, unter die Dusche verziehen und mit eingezogenem Schwanz (weibliche Hunde haben auch einen Schwanz) nach Hause zu kriechen.

Der Morgen danach / Entwurfsunterricht in der FAUP. Lautes Klingeln – Flavias Handy. „Veronica, do Fitfor..!!!“ ich könne also auch in Raten bezahlen. Ja. So. Wunderbar – dann bis Morgen! Flavia hat ihren Fitnessklub gefunden…!! :)

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FELIZ NATAL!!

Dezember 19, 2008

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… Und Morgen Abend schon zieh ich die kalte Bergluft Zürichs hoch in die Nüstern – wies wohl sein wird? Menschenmassen die sich durch die Bahnhofstrasse quetschen, Glühweinduft in der Luft, Marroniverkäufer mit klammen, schwarzen Fingern, dringelnde Trams….

Der Koffer liegt noch ungepackt in meinem Zimmer herum, in einer halben Stunde soll ich draussen vor der Türe stehen – Kino. Ich bin noch gar nicht in Weihnachtsstimmung. Wir haben wieder 15 Grad und Sonne. Abgesehen von der exzeptionell hässlichen Weihnachtsbeleuchtung gibts weder Weihnachtsmarkt noch Stockklopfende Könige in der Shoppingstrasse. Auch keine parfumverteilende Douglas-Engel. Keine Weihnachtsguetzli… (snif) etc.

schon ein bitzeli Schade wenn frau ehrlich ist. ;)

SCHWEIZ, ich komme!!!!

***

*völlig zusammenhangslos diese echt gelungene portugiesisch-brasilianische Version vom Madagascarsoundtrack *GG*

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„Mais vale tarde que nunca.“- Besser spät als nie: ab in den Süden!!

Dezember 16, 2008

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Auch im Süden von Europa spricht man davon, in den Süden zu reisen – ans Meer, in die Algarve, in den Alentejo. Der Alentejo ist die Region hinter Lissabon, das flache Flussbett des einen der zwei grossen Flüsse Portugals, dem Tejo. Eine trockene, sanft gewellte Ebene – wie ein schusslig über der Erde ausgebreiteter Teppich – gelber Boden, da und dort wie gekämmte Hügelfrisuren silbrig-grüne Olivenbäume, knorrige Korkeichen „unten-ohne“, Kühe und Schafe, verwaiste Autobahnen…

Mit dem Zug fahren wir also in den paar Tagen zwischen Schlussabgaben und Kritiken da runter, ins „Capital“ – Lissabon, die Stadt, bei der Erwähnung deren Namen selbst die stolzen Portoenser „glänzige Äuglein“ bekommen. Die Fahrt dauert 3 Stunden im Intercity, dem langsamen Zug, der uns 8 Euro weniger kostet als der schnelle Alfapendicular. Wir sind: Angui, Nuno und ich. In Lissabon teilen sich unsere Wege: Während Angui sich, wie sichs für eine Geschichtsstudentin auch gehört (*G*) ins Museu de Arte Antiga und ins Centro Cultural de Belém verschlägt, konkretisiert sich für uns zwei Architekten die Idee, mit dem Auto von Nunos Schwester ins Landesinnere vorzudringen und dies, auf den blütenweissen Spuren von Carrilho da Graça, ehemals Gastkritiker meines Semesters bei JP dos Santos.

Joao Luis Carrilho da Graça www.jlcg.pt

www.jlcg.pt

Kaum angekommen, ab in das Hauptquartier des „Ordem dos Arquitectos“. Unser Zielobjekt hält einen Vortrag über Joseph Beuys, erzählt Anekdoten über Schagg (jaa die Portugiesen kennen so viele, dass er eigentlich über 60 sein müsste, um all die überhaupt erlebt haben zu können). Bevor wir uns dann schon wieder verabschieden von Lissabon, stürzen wir uns in das schrille Nachtleben des „Bairro Alto“, dem „höheren Quartier“. Abgesehen vom Mittelalterstadtteil Alfama (gewaltig schön) geht die Geschichte Lisboas wie die von Porto primär aufs 19te Jahrhundert zurück. So kommts, dass die Strassen, verstopfter als jede griechische Partymeile die ich je gesehen habe, von würdevollen weissen Steinfassaden im pariser Haussmanlook eine traumhafte Kulisse zum zügellosen lisbonneter Partyvolk bilden. „Cocacoca?? Hasch?“ Strasse um Strasse, hoch und runter, links und rechts, Leute so weit das Auge reicht, eine Bar an der anderen, vorbei an einer gelben Zahnradbahn aus den Vierzigern, desculpe, sorry, nao, agora nao, obrigaaaaada etcetc. Wie ausgespuckt aus einem Verdauungsmechanismus finden wir uns halber trümmlig wieder im „Brasileira“, dem berühmten Cafehaus von Fernando Pessoa, dem legendären Schriftsteller und bekanntesten Schizophrenen der Nation (er schrieb seine Bücher alle unter Decknamen- und charakteren – deren besass er ganze 7).

Samstag: Wir düsen  im Auto der Schwester von Nuno senkrecht zur bisherigen Linie in Richtung spanische Grenze. Vorbei ziehen die beiden grauenhaften Stadien der beiden Stadtclubs Sporting und Benfica, Vororte wie wir sie aus Barcelona kennen.. Das alles gehüllt in graue Wolken, Dauerregen. In Benfica besichtigen wir Carrilhos erstes Werk: Escola Superior da Musica, kaum fertiggestellt, ein Meisterstück gebauter Kartonarchitektur. Seit vielen Monaten mein absoluter Favorit…

Swimmingpool mit Treppe….

Swimmingpool mit Treppe ;)

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Mit nassen Füssen, zerzaustem Haar (nie wegzudenken in Portugal der stetig blasende Sturmwind) gehts weiter in Richtung Evora, Zentrum des Hinterlands Lissabons. Wir überqueren die Stadtbrücke ohne zu wissen, ob wir uns in einer Waschanlage oder im gelobten Land der Sonnenanbeter befinden: Die dicken Drahtseile sowie Anfang und Ende der gewaltigen Hängebrücke „25 de Abril“ verschwinden in der grauen Suppe, die uns fortan bis beinahe ans Ende unserer Reise begleiten wird.

Evora erreichen wir Abends. Wie schon Guimaraes und Lisboa entdecke ich die Stadt geduckt unter einen halb zerfetzten Regenschirm, von Pfütze zu Pfütze tapsend, halb schlotternd schlussendlich im hiesigen Kino landend – einem modernistisch anmutenden, elegant geschwungenen weissen Gebäude, leer wie ein Schneckenhaus, zuoberst ein Kino, wir sind 10min zu spät, aber egal, es reicht um aufzuwärmen.

Trotz Regen und Kälte verschlägt einem die Stadt den Atem: Die Häuser sind alle weiss, mit ockergelb gemalten Sockeln. Die Strassen komplett aus schwarzem Granit und weissrosa Marmor. Wir besuchen eins der berühmtesten Werke Alvaro Sizas:  Malagueira.

Malagueira

Weiter gehts an die spanische Grenze: An diesem Tag machen wir die Schleife Campo Maior (spanische Grenze), Vila Viçosa, Arraiolos. Highlights in diesem Teil eindeutig Carilhos Badetempel, für den wir einen 2m Stacheldrahtzaun „saltieren“ und José Paulos Pousada in Arraiolos…

Piscina Municipal / Campo Maior JLCG

Badetempel www.jlcg.pt

Schon bei Dunkelheit schleichen wir im luxuriösen Arraiolos umher… 200 Euro ein Zimmer! Eindeutig zu viel. Und noch am gleichen Abend soll unser Zug nach Porto gehn! Diese Pläne sind schnell verworfen. Der Grund um am nächsten Tag tatsächlich zu spät zu den Schlusskritiken zu kommen war eindeutig: Siza Expopavillon in Lissabon.

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