Archiv für November 2008

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Wann wirds denn wieder Sommer?*

November 23, 2008

*beziehungsweise: Wann wirds denn bitte Winter..
zum läse bitte Jorge Palma, „Os demitidos“/“Di Entlassene“ laufe lo :)

..seit Oktober warte ich hier nun auf den prophezeiten eiskalten und regnerischen Winter. Bisher ist aber alles was eingetroffen ist ein prächtiges Herbstwetter, Blätter in allen Farben und T-Shirttage mit blitzblauem Himmel. „Verao de Sao Martinho“, etwa zu übersetzen mit Altweibersommer – mit dem Unterschied zur Schweiz, dass diese Jahreszeit hier tatsächlich existiert. Nicht nur Jahreszeiten haben wir hier eine mehr, auch Mahlzeiten: nämlich 4 am Tag. Man kann sich vorstellen was das für meine guten Ernährungsvorsätze zu bedeuten hat.

Es ist ja nun schon einige Tage her seit meinem letzten Eintrag, drum häufen sich hinter meiner Stirne momentan Dinge, die ich gerne mitteilen würde. Ich werd mich also kurzhalten und auf das neue Bondfilmkonzept umsteigen: Episoden (schlechter Anfang, schlechtes Ende, ein Haufen Specialeffects und eine lückenhafte Story).

1. der Morgen: Missverständnis.
Ich wollte grade zum Mittagessen abzischen und liess mein gesamtes Inventar auf meinem Arbeitstisch im „Torre F“ liegen. „To“ (Antonio) rief mich darauf zurück „Nao queres levar o teo rato??“ Was?? Meine Ratte mitnehmen?? Flavia bricht spontan in einen Lachanfall aus: Auf Portugiesisch heisst die Computermaus Ratte?? Naja, nach grossem Hin und Her stellt sich dann heraus, dass Rato auf Portugiesisch Maus und nicht Ratte heisst. *öööööööh* man hat sich wiedermal bewährt… ;)

paraiso

paraiso

2. der Tag: Leben auf dem Land.
Was die meisten von uns von Portugal kennen ist die Küste. Das ist nicht nur eine Tatsache der Zeit billigfliegender Easys, Ryans und schnelllebigem Sädtetourismus. Über diese Struktur entschieden schon die Römer, als sie Portugal zu einem der Kornspeicher des Imperiums machten. (Der Ursprung Portugals liegt ausserdem direkt hier zu meinen Füssen: Porto liegt auf dem damaligen Gebiet der beiden römischen Städte „Portus“ und „Cale“.)
Die Reise ins Landesinnere, insbesondere in den bewaldeten Norden, gleicht einer Zeitreise. Dörfchen reiht sich an Dörfchen, über dutzende Kilometer Kopfsteinpflaster rattert unser Auto Richtung Barcelos und Viana do Castelo. (Die Autobahn meiden wir absichtlich.) Barcelos ist eine mittelalterliche Gründung und verfügt noch weitgehend über die damaligen Strukturen: Eine Brücke mit Zollkontrolle (leider fiel ein Grossteil der Brückenbebauung 1755 dem gleichen Erdbeben zum Opfer wie die gesamte Innenstadt Lissabons http://de.wikipedia.org/wiki/Erdbeben_von_Lissabon), die alte Kirche – nicht viel mehr als ein bescheidenes Steinhaus mit einem Kreuz über dem Giebel – und das Haus des Grafen bzw. Stadthalters. Die Strassen sind supereng: Mehr als ein Pferd passt kaum zwischen den schiefen Häuserfluchten hindurch. Der Hauptplatz wird dominiert von einem gewaltigen Pranger – einem Stück Baukultur, das fast in jeder Kleinstadt die wir passieren erschreckend präsent ist…

Mittelalter in Barcelos

Mittelalter in Barcelos mit Pranger im Vordergrund..

Weiter gehts zu Lauras Eltern- und Grosselternhaus. Lauras Mutter hat 12 Geschwister (die schlussendlich alle studiert haben!!) und ist hier aufgewachsen. Wir betreten das Grundstück über die selbstbenannte „Rampa do Paraiso“ (Rampe ins Paradies). Haus und Scheunen sind wie gewachsen aus dem fruchtbaren Boden: Unter dem Erdgeschoss befindet sich der Kuhstall (mit der Wärme der Tiere heizten sie die Wohnräume der 15köpfigen Familie), daneben Bienenhaus, Werkstatt, Weinkeller, Gemüsegarten, Obstgarten mit Zitronen, Orangen und Limonen. Dutzende mal bleibe ich stehen, muss zurückgehen: Ist das nicht Peterli?? Weihrauch?? Kürbisse, Reben, Kohl, Salat, Nussbäume und Ungezähltes das wir nicht übersetzen können. Auf dem Panorama rechts sichtbar der riesige Waschtrog, der von den Kindern als Swimmingpool genutzt wurde. Im Dachboden endet unser Reisli bis auf Weiteres: Auf allen Vieren erkunden wir die verstaubten Verstecke aus Lauras Kindheit…

dachboden

dachboden

3. die Nacht: Party.
Party in der Schule? Hier könnte sich unsere Architektura mal ein Beispiel nehmen! Unsere Studentenassoziation organisiert neben den allmonatlichen stattfindenden Parties auch Verkaufsaktionen für Selbstdesignetes, Diskussionsforen, Sportliches und kleine Reisen. Der Studentenausweis ist sogar cooler als der echte der Uni.

Diese Woche tanzten wir zu 1-Eurobier, gratis Steak mit Brötli bei herrlichem Sommerwetter bis zu Vorlesungsbeginn am nächsten Morgen….

DANçAS DO MUNDO FAUP NOV08 (Filmli zum luege):

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ae-faup associacao de estudantes da faculdade de arquitectura do porto

PS – Ich weiss jetzt, warum wir in der Mensa jeden Tag Reis essen: In der Nähe von Lissabon gibts den Gerüchten zufolge ein riesiges Feuchtgebiet, in welchem im grossen Stil Reis angebaut wird. Ihr glaubts nicht? Ich auch nicht!

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unterm messer

November 11, 2008

Was die Friseursuche im Ausland betrifft ist das ja etwa mit einem Totalschaden aller Werte und Vorstellungen betreffend Schönheit und Nachhaltigkeit gleichzusetzen. Dabei muss man nicht mal ins Ausland, es reicht schon, sich anstatt in Basel beim angestammten Härchentrimmer, in Zürich einmal unters Effiliermesser einer Art „Stop-and-Go“ Coifföse gelegt zu haben. (Jaja, ich landete dann nach 10tägiger spiegelvermeidender Identitätskrise bei meinem Frisör in Kaiseraugst und dies während den Endabgaben).

Ich drohte langsam, dem Schicksal von Rapunzel unterzukommen. Gleich am Flussufer neben der Uni hatte ich die Wahl zwischen zwei direkt nebeneinanderliegenden Salons, der eine fein geschniegelt, weisse Ledersessel, Tussis mit 1cm Makeup, der andere mit laut lamentierenden Portugiesen auf und hinter dem Stuhl, einem jugendlichen Hairdresser mit cooler schwarzweisser Brille und einer schwer übergewichtigen brasilianischen Gehilfin. Schon sass ich auf dem Wartesesseli, Schwuppdiwupp Jacke weg – 14 Euro? Wow das ist ja günstig – Zack unters Wasser, vor den Spiegel. Dann die grösste Schwierigkeit: Wie bringe ich dem bebrillten Jüngling bei, wie ichs haben will? Escadas = Treppen, Escaladas = Stufen. Hm, das Erlebnis hatte Lernfaktor. Schneiden ging schnell und schmerzlos, nur leicht irritiert konnte ich mich der Angebote erwehren meine Nägel einer Generalüberholung zu unterziehen oder meinen Damenbart („Moustache???? [begleitet von vielen unmissverständlichen Gesten...]„) ausreissen zu lassen. Hab ich einen Damenbart?? Auch das Brushing überlebte ich nur mit ein paar kleinen Verbrennungen der Kopfhaut. Als es dann ans Zahlen ging, die Überraschung: Haarschnitt 10 Euro, Brushing 14 Euro. HAHA. Das ist etwa so lustig wie die Vorspeise für 8 Euro, während das Hauptgericht 1.7 kostet. Alles schon vorgekommen. Aber Frau hat schliesslich Humor und nach vielen obligatorischen Nettigkeiten steht sie wieder auf der Strasse, der Strähnen erleichtert, mit diesem widerlichen Duft nach Honig oder so was in der Nase (ich glaube es gibt irgendsone internationale Coiffeurmafia, die sämtliche Coiffeurs Europas mit der gleichen greulich miefenden Haarpflege ausrüstet)- mit der schlimmen Vorahnung auf den Blick in den heimatlichen Spiegel. Snif. Schlecht? nene. Gut? Auch nicht. Also ich werd mich nicht beklagen…

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im dritten Monat…

November 5, 2008
 DOURO Rivermouth

DOURO Rivermouth

Im dritten Monat ist es bekanntlich dann zu spät. Point of no return. Phil ist gerade abgereist und der normale universitäre Alltag soll wieder einkehren. Ich sitze in der etwas zu stark runtergekühlten Bibliothek und versuche irgendetwas Vernünftiges anzufangen. Auf dem Stapel liegt die Analyse eines Konvents (Vermessung, Geschichte, Dokumentation etc.) und natürlich mein Projekt. Ich muss hierbei ganz stolz verkünden, dass mein erster Entwurfsversuch im Schwarzen gelandet ist. Unverhofft musste ich am letzten Mittwoch meine Sachen in der grossen Vorlesung dem ganzen Jahreskurs präsentieren. Auf Portugiesisch versteht sich. Ich war derart nervös, dass ich nicht alles mitbekam von der Kritik der 6 Professoren, aber was klar war, dass anscheinend gar nix daran auszusetzen war… Soweit so gut. Die 12 Tage mit Phil waren auch bis oben gefüllt mit rumrennen-spazieren-schauen-velofahren. Ich hoffe, ich darf die Aufgabe der Erstellung einer schönen Fotogalerie (mit einem grossen Haufen Wellen-Fotos ;) ) ihm überlassen.

Aber wie gesagt: Point of No Return. Der nächste Termin mit Schweizer Attributen wär dann Weihnachten. Allerdings gebe ich mir Mühe, möglichst ohne Countdowns zu leben – obwohl das glaube ich das Schwierigste ist am Austausch, da er ja selbst ein Countdown ist, ob mans will oder nicht. Es ist ganz merkwürdig zu wissen, dass in der Schweiz das Leben nicht etwa unterbrochen ist, sondern weiterläuft. In Basel ist jetzt Herbstmesse, hab ich vernommen. GROSSER NEIDFAKTOR muss ich zugeben. Es soll Schnee gegeben haben. Naja. Neid? Ein bisschen. Ich spiele hier ein bisschen Schweiz, trage meine dicke Daunenjacke und die ganze Schule schmunzelt…die kommt halt aus den kalten Bergen!

Aber dann sitz ich eben trotzdem in dieser Bibliothek, die viel schöner, viel interessanter und überhaupt (…) ist — und hab ein ganz bisschen Heimweh. Aber nur ein bisschen. Bis ich rausgehe und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Heut geh ich ans Meer!

PS-entschuldigt das Wortspiel. Musste einfach sein *g*