
Folterkammer – exklusiv für Frauen!
Januar 15, 2009
Tragischer Fakt ist, dass Weihnachten auch keine Besserung auf der Anzeige meiner Waage gebracht hat. Obwohl ich mir prinzipiell keine guten Vorsätze mache im neuen Jahr hab ich mich jetzt schweren Herzens durchgerungen das Jahr 2009 zum Jahr der ästhetisch-anatomischen Schadensbegrenzung zu erklären. Da das Wetter mit Regen und Atlantikwinden nicht grade zum Joggen animiert (ich musste heute meine Socken vor dem Hauseingang zusammenlesen gehen weil sie der Wind vom Wäschetrockner auf meinem Balkon im neunten Stock runtergewindet hatte…), richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die Indoormöglichkeiten in meiner Nähe. Das Rennen machte dabei das wörtlich zu nehmende „Fitfor – exclusivamente para Mulheres“, ein Fitnessklub exklusiv für Frauen! Vom eindeutig feministisch angehauchten Titel angemacht bewegte ich mich gestern abend also – noch topmotiviert von der versifften Geschichtsprüfung am Nachmittag – in Begleitung meiner gleich gesinnten Mitbewohnerin in den genannten Fitnessklub. Wie das so gang und gäbe ist in Portugal vesuchte man uns dann auch gleich schon am Empfang alle möglichen seltsamen Produkte aufzuschwatzen. Bald darauf standen wir in der improvisierten Garderobe deren Wände vor Feuchtigkeit troffen und wickelten unter abwechselnd hysterischen Lachsalven und entsetzten Grimassen ob unseren cellulitösen Gliedmassen fette Cremen und Frischhaltefolien um den Körper. Garantierte Wirkung bei 3maliger Anwendung pro Woche hatte man uns versprochen. Das Lachen sollte uns dann aber bald vergehen, als Vania – unsere persönliche Assistentin – uns mit je 2 kg an den Füssen durch Springseile und den Gewichtscircuit jagte. Gewichte und Maschinen beeinflussten meinen Puls etwa gleich nach oben wie die inspirierende Latinomusik in Clublautstärke und der Anblick der anderen anwesenden Portugiesin in ihrem silbernen Ganzkörperjanefondacatsuit.
Total ausgepumpt und mit einem Kopf wie einer überreifen Wassermelone wurden wir nach einer Stunde aus der Traktierung entlassen und zur Belohnung in den hinteren Bereich des Klubs geschoben. Flüsternd und mit hastigen Bewegungen wurde in einem dieser abgedunkelten Abteile (in den anderen hatte ich einen Haufen seltsame Apparate und Installationen gesichtet) auf einem Bett und einer seltsamen kistenartigen Maschine hygienische Tücher ausgebreitet. Hinlegen! Deita! zu Befehl. Unter biepen und seltsamen Geräuschen setzte sich das Ding unter meinem Körper in Bewegung. Es fühlte sich an wie einer dieser hölzernen Zählrahmen mit denen man schon die Kleinsten zum Rechnen zu vergewaltigten versucht – diese Kugeln bewegten sich erbarmungslos an ihren Stäbchen hoch und runter und zogen mir die Halswirbel auseinander als gings darum, der UBS damit vorzurechnen, dass sie nicht mehr lang zu leben habe… Dies mochte aber in keiner Weise das Spektakel nebendran zu übertreffen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Laura halber geschockt, halber ungläubig runter auf ihre Füsse, die wie im riesigen Kaumechanismus einer Schweizer Kuh rythmisch zermahlen wurden… Die Situation in unserer kleinen Folterkammer war derart komisch, dass wir uns nichtmal zu Lachen getrauten. Was, wenn die Maschinen plötzlich überhand nähmen? Der Kontrollblick zum Abschaltknopf war längst getan und als unter lautem Biepen und Rattern das entspannende Erlebnis zu Ende ging mochten wir uns nur noch vielsagend anblicken, unter die Dusche verziehen und mit eingezogenem Schwanz (weibliche Hunde haben auch einen Schwanz) nach Hause zu kriechen.
Der Morgen danach / Entwurfsunterricht in der FAUP. Lautes Klingeln – Flavias Handy. „Veronica, do Fitfor..!!!“ ich könne also auch in Raten bezahlen. Ja. So. Wunderbar – dann bis Morgen! Flavia hat ihren Fitnessklub gefunden…!!
Herrlich schrecklicher Beschrieb *gg*!