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Sand in den Schuhen

März 17, 2009

Glyzinienduft in der Luft, Sonnenbrille auf, Zeichenmappe in der Hand, 20 Grad um 9 Uhr morgens. Ich bin leicht zu spät, aber macht nichts.

Schulweg

Schulweg

In Porto ist der Frühling eingekehrt. Das Meer schlägt seine Wellen friedlich vor sich hin. Mit dem Mofa brause ich der Küste entlang (in Porto fährt man auch ohne Führerschein mehr oder weniger selbstverständlich), das Haar im Meerwind – “Marina” – Meerduft… während die Stadt sich streckt und reckt, die Flügel ausbreitet zum Trocknen wird mir leicht und schwer ums Herz. Schon 7 Monate vorbei?? Wo ist nur all die Zeit geblieben?? Wohl kaum auf dem Stepper im Fitnessstudio… aber es ist wie mit der Liebe – der Blick hinaus zum Horizont und weiter ist noch derselbe und die Neugier für das Dahintere — so müssen sich die mutigen Seefahrer gefühlt haben!!! Keine Ahnung von Seefahrt? Endlich verstehe ich die Vorlesungen in der Uni! Endlich bin ich fähig das Gemurmel der Alten im Bus zu entschlüsseln……..

was man in Portugal lernt, ist mit dem Sinn des Lebens, den Idealen und den Sorgen um unsere Daseinsberechtigung einmal eine Finte zu legen. Es gibt nämlich noch andere Prioritäten neben toller  (wennauch todstressiger…)  Arbeit und Wohnung am Bellevue oder in der Bäckeranlage. Ungezählt bleiben die Aussteiger denen ich hier (vornehmlich verkatert um 11 Uhr morgens) über den Weg laufe. Italiener, Deutsche, sogar einen professionellen Schweizer Modellbauer.
Die Frage stellt sich, ob das “Aussteigen” als Flucht oder als gleichberechtigte Uminterpretation eines Lebensmodells gesehen werden kann. Ich weiss, ich mach mich bei gewissen idealistischen Arbeitstieren unbeliebt, aber ich glaube mittlerweile, dass dieser verkaterten Gestalten mit 60 gutmöglich glücklicher sind als wir abgeschufteten Schwerarbeiter! Und doch gibt es soviel, das ich an der Schweiz vermisse. Die tollen Wälder, der kalte, trockene Winter. Die Mützen, die Einfamilienhäuser, Grüezi. Die Migros. Pünktlichkeit…..

bleibt die Frage bestehen, was das grössere Übel sei: Ferien mit Asphalt oder Arbeit im Grün. Prinzip Vögelchen im goldenen Käfig fällt mir zu Letzterem ein.

Fragen wir den Piepmatz……………………..

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